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Vom Wolf zum Haushund



Vom Wolf zum Hund

Abstammung

Es ist mittlerweile erwiesen, dass sich der Haushund aus dem Wolf entwickelt hat. Noch bis vor kurzem hielt man den indischen Wolf (Canis lupus pallipes oder Canis lupus lupaster) für den Stammvater, dessen Äußeres dem einiger anderer Hunderassen ähnlich erscheint. Inzwischen wurde genetisch der gemeine graue Wolf (Canis lupus lupus) als Urvater bestätigt. Damit scheidet auch die indische Unterart als möglicher Stammvater aus. Untersuchungen der Mitochondrien-DNA von Wölfen und Hunden in den USA zeigten, dass die genetischen Unterschiede zwischen verschiedenen Wolfpopulationen durchschnittlich 0,16% betrugen. Der genetische Unterschied zwischen Wolf und Kojote betrug etwa 3,1%, der Unterschied zwischen Hund und Wolf (Grauwolf) dagegen nur 0,2%.



Die auf Konrad Lorenz zurückgehende Vermutung, dass der Haushund vom Goldschakal (Canis aureus) abstammt, gilt durch diese Forschungen sowie die Untersuchungen von Erik Zimen und Alfred Seitz als überholt.

Hunde und Wölfe

Hunde und Wölfe sind auch miteinander fruchtbar.
In seinem Buch "Der Hund" beschreibt der Verhaltensforscher Erik Zimen ausführlich seine langjährigen vergleichenden Beobachtungen an Königspudeln und Wölfen sowie an deren Mischlingen (den sog. Puwos) und an den Nachkommen aus der Verpaarung von "Puwo" mit "Puwo".

Baby Wolf / Hund

Auch in der Praxis der Hundezucht wurde immer wieder versucht, Hunderassen durch das Einkreuzen von Wölfen zu „verbessern“, wie beim Saarloos-Wolfhund, beim Tschechoslowakischen Wolfhund und in Italien mit dem Lupo Italiano. Die Erwartungen konnten bei allen diesen Versuchen nicht erfüllt werden.

Bisher ging man davon aus, dass die Verhaltensunterschiede zwischen Wolf und Hund zu groß seien, als dass es in der freien Natur zu Mischpaarungen kommen könne. Ein zusätzliches Hemmnis ergibt sich aus den Fruchtbarkeitszyklen: Wolfsrüde und Wölfin sind nur einmal im Jahr fruchtbar. Dies unterscheidet vor allem den Wolfsrüden vom Rüden des Haushunds.
Trotzdem kam es beispielsweise 2004 bei nach Deutschland eingewanderten Wölfen zu einer Verpaarung mit einem Hund, weil die Wölfin keinen Partner fand.

Urtümliche Hunde

In vielen Ländern existieren Hunderassen, die als Urtypen der ersten Hunde gelten können. Zu diesen gehören einmal die Schensihunde, wie sie zum Beispiel in der Äquatorialgegend Afrikas anzutreffen sind. Es sind vor allem braun-gelbe Hunde, die sich lose den Menschen angeschlossen haben und unter anderen Abfall vertilgen und somit in diesem Klima eine wichtige hygienische Aufgabe übernehmen. Mit der Entwicklung solcher Hunde war die Domestikation abgeschlossen, es folgte die bewußte Zucht nach ausgewähltem Verhalten, wesentlich später auch nach Schönheit. Direkt aus solchen Schensiunden wurden zum Beispiel der Basenji und der Chow-Chow gezüchtet. Auch der Dingo, der vor mehreren tausend Jahren in Australien verwilderte und sich wieder Richtung Wolf entwickelte, wird zu den Schensihunden gezählt.



Mit Landschlägen werden die ersten Hunde bezeichnet, die im Folgenden auf bestimmte erwünschte Eigenschaften hin gezüchtet wurden. Zu diesen Hunden werden unter anderem die Herdenschutzhunde oder auch die altdeutschen Hütehunde (Harzer Fuchs und andere) gezählt. Aus diesen Landschlägen stammen so gut wie alle heutigen Hunderassen, die einem bestimmten Rassestandard entsprechen müssen und im Aussehen nicht so variabel sind wie die Landschläge. Ein jüngeres Beispiel ist der Deutsche Schäferhund, der um 1900 aus altdeutschen Hütehunden gezüchtet wurde.

In einigen islamischen Ländern haben wir schließlich eine besondere Situation. Hier wurde der Hund als unrein erklärt und verwilderte. Die bestehenden Landschläge vermischten sich wieder. Da diese Hunde ein Leben am Rande der menschlichen Gesellschaft führen müssen, wurde für sie der Begriff Pariahunde gewählt. Als vom FCI anerkannte und mit einem festene Rassestandard versehende Hunderasse existiert der Kanaanhund als israelische Hunderasse. Pariahunde sind aggressiver als z. B. Landschläge und können nicht auf so engem Raum wie diese zusammen leben.

In Deutschland wird das Verhalten dieser ursprünglichen Hunde zum Beispiel auf der Haustierbiologischen Station Wolfswinkel (von Eberhard Trumler gegründet) erforscht. Hier leben unter anderem Dingos.